Asthma und Schlafapnoe
Asthma ist, wie die obstruktive Schlafapnoe, eine Volkskrankheit. In der Schweiz leidet etwa jedes zehnte Kind und jeder 14. Erwachsene an Asthma; an einer Schlafapnoe Schätzungen zufolge jede fünfte Person.
Asthma und Schlafapnoe sind zwei Krankheiten, die eine Sache gemeinsam haben: Die Atmung funktioniert nicht, wie sie sollte. Ein ernstzunehmendes Problem, was besonders kritisch zu sehen ist, wenn Asthma und Schlafapnoe zugleich auftreten.
Auf dieser Seite erfahren Sie, wie sich Asthma und Schlafapnoe in der Kombination bemerkbar machen und warum Sie als Asthmatikerin oder Asthmatiker immer eine obstruktive Schlafapnoe medizinisch abklären lassen sollten. Denn: Mit der Kombination Asthma + Schlafapnoe ist keineswegs zu spassen.
Asthma und Schlafapnoe
„Asthma und Schlafapnoe beeinflussen sich gegenseitig. Nächtliche Atemaussetzer verschärfen den Sauerstoffmangel und können Asthma-Symptome deutlich verstärken. Gerade bei Asthmapatientinnen und -patienten mit Schnarchen oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte daher immer auch an eine begleitende Schlafapnoe gedacht und diese gezielt abgeklärt werden.“
Prof. Dr. M. Spielmanns
Was Sie über Asthma und Schlafapnoe wissen sollten
Was sind die Ursachen von Asthma Bronchiale?
Haben Asthmatiker häufiger eine Schlafapnoe als gesunde Menschen?
Eine Forschungsgruppe der ‘Wisconsin School of Medicine and Public Health’ konnte nachweisen, dass Asthmatiker deutlich häufiger eine Schlafapnoe entwickeln als gesunde Menschen – besonders ab dem Alter von 36 Jahren. Zudem verlaufen die Atemaussetzer bei Asthma-Kranken oft schwerer. Deshalb sollte bei nächtlicher Atemnot, starkem Schnarchen oder ausgeprägter Erschöpfung immer auch eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen.
Welche Asthma-Symptome können sich durch Schlafapnoe verschlimmern?
Viele der typischen Asthma-Symptome können sich durch eine Schlafapnoe verschlimmern. Denn: Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung, bei der sich die Bronchialschleimhaut entzündet und verengt. Daher sind die Symptome meist Husten, pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit und Engegefühl in der Brust. Durch nächtlichen Sauerstoffmangel bei Schlafapnoe können diese Symptome häufiger auftreten oder intensiver werden. Auch wiederholte Anfälle können begünstigt werden.
Welche Rolle spielen Medikamente wie Beta-2-Agonisten bei Asthma in Kombination mit Schlafapnoe?
Zur Behandlung von Asthma (auch in Kombination mit Schlafapnoe) werden häufig Medikamente wie Beta-2-Agonisten eingesetzt, die die Bronchien rasch erweitern und bei akuter Atemnot helfen. Sie sind besonders wichtig, wenn ein Asthmaanfall wahrscheinlich ist, ersetzen jedoch keine langfristige Entzündungshemmung. Bei gleichzeitiger Schlafapnoe sollte der gesamte therapeutische Ansatz regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Eine ärztliche Aktualisierung der Therapie ist etwa dann sinnvoll, wenn trotz Behandlung nächtliche Beschwerden, Schnarchen oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit bestehen.
Wann ist bei Asthma und Schlafapnoe ein medizinischer Notfall gegeben?
Treten bei Schlafapnoe- oder Asthma-Patienten schwere Atemnot, ausgeprägte Kurzatmigkeit, bläuliche Lippen oder Brustenge auf, handelt es sich um einen möglichen medizinischen Notfall. Auch wenn ein Asthmaanfall trotz Inhalation rasch wirksamer Medikamente nicht abklingt oder sich die Symptome plötzlich deutlich verschlechtern, sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Sollten Sie mit beiden Erkrankungen konfrontiert sein, haben Sie bitte einen persönlichen Notfallplan zur Hand, damit Sie und / oder Ihre Angehörigen bei akuten Anfällen rasch und richtig reagieren können.
Wie erkennt man als Asthmatiker, ob man zusätzlich an einer Schlafapnoe leidet?
Asthma und Schlafapnoe beeinflussen sich gegenseitig
Schlafapnoe und Asthma – das ist eine Kombination, die sich gegenseitig in negativer Form begünstigt. Zwar gibt es keine aussagekräftige Statistik, die zeigt, wie viele Menschen in der Schweiz gleichzeitig an Schlafapnoe und Asthma leiden. Was aber sicher ist: Menschen mit Asthma sind häufiger von Schlafapnoe betroffen. Da drängt sich eine Frage auf: Verursacht Schlafapnoe Asthma, oder ist es umgekehrt? Die kurze Antwort: Beides kann sich gegenseitig beeinflussen und sich wechselseitig verstärken.
Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es nachts zu wiederholten Atemaussetzern durch verengte Atemwege. Diese führen zu Sauerstoffabfällen, Stressreaktionen im Körper und Entzündungsprozessen – Faktoren, die Asthma-Symptome verschlechtern können.
Umgekehrt kann auch Asthma die Schlafapnoe begünstigen. Chronisch entzündete und verengte Atemwege erhöhen den Atemwegswiderstand, besonders im Liegen und während des Schlafs. 2015 belegte eine Forschergruppe um Mihaela Teodorescu M. et al. (2015), dass Menschen mit Asthma ein erhöhtes Risiko haben, auch eine Schlafapnoe zu entwickeln.
Die gute Nachricht: Wird die Schlafapnoe wirksam behandelt, verbessert sich bei vielen Patientinnen und Patienten auch die Asthma-Symptomatik.
Asthma + Schlafapnoe ist eine riskante Kombination
Während Asthma vor allem die unteren Atemwege betrifft, blockiert Schlafapnoe im Schlaf die oberen Atemwege – häufig, weil die Zunge infolge eines ungünstig entwickelten Unterkiefers nach hinten fällt und den Luftstrom wie ein Korken verschliesst. In Kombination führt beides zu ausgeprägtem Sauerstoffmangel. Für Asthmatikerinnen und Asthmatiker ist das besonders problematisch, da ihre Atemwege ohnehin chronisch entzündet und überempfindlich sind. Umso wichtiger ist es, schnellstmöglich gegenzusteuern.
Wer gleichzeitig unter den beiden Erkrankungen leidet, benötigt deshalb eine besonders sorgfältige medizinische Abklärung. Neben der optimalen Einstellung der Asthmatherapie ist es von grossem Interesse, die mechanische Ursache der nächtlichen Atemaussetzer zu beseitigen – etwa durch eine Operation. Denn nur wenn die oberen Atemwege dauerhaft offen bleiben, kann die Lunge nachts ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.
Oft kommt ein Verfahren zum Einsatz, bei dem durch eine gezielte Neupositionierung der Kiefer die Atemwege deutlich erweitert werden. Dadurch wird der Platz im Rachenraum vergrössert, die Zunge kann nicht mehr nach hinten fallen und die Blockaden im Schlaf verschwinden.
Für viele Betroffene bedeutet dieser Eingriff nicht nur ein Ende des Schnarchens und der Atemaussetzer, sondern auch eine spürbare Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems sowie eine bessere Kontrolle der nächtlichen Asthmasymptome.
Je früher die Kombination Schlafapnoe und Asthma erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich andere schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern.