Schlafapnoe

Themen

Weiteres

Das Upper Airway Resistance Syndrom

Das Upper Airway Resistance Syndrom (kurz UARS) zu erkennen, ist nicht leicht. Deshalb gibt es zahlreiche nicht-diagnostizierte Fälle.

Anders als etwa beim obstruktiven Schlafsyndrom, bei dem die Atemaussetzer das charakterliche Symptom der Erkrankung sind, macht sich UARS ‘stiller’ bemerkbar, weshalb die Erkrankung auch als ‘stilles Syndrom’ bekannt ist. Während Schlafapnoe in spezialisierten Kliniken gut diagnostiziert werden kann, wird UARS bei Standard-Screenings häufig übersehen.

Woran Sie UARS dennoch erkennen und welche Behandlung dauerhaft Abhilfe schaffen kann, erfahren Sie auf dieser Seite.

UARS erkennen

„Das Upper Airway Resistance Syndrom wird häufig übersehen, weil keine klassischen Atemaussetzer auftreten. Dennoch ist die nächtliche Atmung dauerhaft erschwert und der Schlaf stark fragmentiert. Wer trotz ausreichender Schlafdauer chronisch erschöpft ist, sollte deshalb auch an UARS denken und eine spezialisierte Abklärung in Betracht ziehen.“

Prof. H. Sailer

Was Sie über das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) wissen sollten

Das Upper Airway Resistance Syndrom, ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der die oberen Atemwege während des Schlafs verengt sind, ohne dass es zu ausgeprägten Atemaussetzern oder relevanten Sauerstoffabfällen kommt. Bei betroffenen Patientinnen und Patienten kommt es zu veränderten Atemmustern sowie zu erhöhtem respiratorischem Effort, da der Körper verstärkt gegen den erhöhten Atemwiderstand arbeiten muss.

Optisch fallen bei UARS-Betroffenen oft ein zurückliegendes Kinn und ein verhältnismässig kleiner Unterkiefer oder aber eine lange Gesichtsform auf. Diese Engstellen im Rachenraum können die Entstehung von UARS begünstigen. Das alleine genügt aber nicht, um UARS zu diagnostizieren. Wirklich Aufschluss bringt ein digitales 3D-Röntgenbild. Hier erkennt man bei Betroffenen englumige, oft lange obere Atemwege, wobei eine Verengung der oberen Atemwege sichtbar wird. Damit ist die physiognomische Darstellung der Erkrankung ähnlich der der obstruktiven Schlafapnoe. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Der Muskeltonus ist ausreichend hoch, sodass ein Kollaps der oberen Atemwege bei UARS-Patientinnen und -Patienten ausbleibt.

Während an der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) vorrangig Männer leiden und die Anzahl der Patientinnen und Patienten mit zunehmendem Alter steigt, ist das bei UARS nicht der Fall. Studien zufolge leiden etwa 3,1 % der Bevölkerung an UARS, wobei Frauen häufiger (4,4 %) als Männer (1,5 %) betroffen sind. Besonders interessant: Nicht selten sind es Kinder und Jugendliche, die an UARS erkrankt sind.

Grundsätzlich kann das Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) Menschen jeden Alters betreffen. Besonders häufig sind allerdings Kinder, Jugendliche und Frauen unter den UARS-Patienten.

Die Diagnose erfolgt in einer Klinik oder bei einem Facharzt auf zwei Wegen: Zum einen im Schlaflabor. Dort zeigen sich typischerweise viele Weckreaktionen, jedoch kaum Apnoen oder Sauerstoffabfälle. Ergänzend kann ein 3D-Röntgenbild (DVT) der Kiefer- und Atemwegsstrukturen angefertigt werden um so anatomische Engstellen sichtbar zu machen.

Da sich die Beschwerden von UARS teilweise mit denen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung decken, wird UARS insbesondere bei Kindern und Jugendlichen gelegentlich mit ADHS verwechselt. Durch gezielte schlafmedizinische Untersuchungen lässt sich die Erkrankung jedoch eindeutig diagnostizieren.

Unbehandelt kann UARS die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und langfristig zur Entwicklung einer obstruktiven Schlafapnoe beitragen. Zudem erhöhen chronischer Schlafmangel und nächtliche Belastungen das Risiko für Leistungsabfall, psychische Beschwerden und Herz-Kreislauf-Probleme.

UARS kann geheilt werden! Symptomatische Therapien wie CPAP oder Zahnschienen wirken allerdings nur so lange, wie sie angewendet werden. Eine dauerhafte Lösung ist die operative Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer (z.B. bimaxillary rotational advancement) oder Surgically Assisted Rapid Palatal Expansion (SARPE), sofern anatomische Engstellen die Hauptursache darstellen.

UARS kann vorliegen, wenn anhaltende Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme oder unruhiger Schlaf bestehen. Vor allem, wenn die Symptome in Kombination mit auffälligen Kiefermerkmalen oder aber mit schulischen Leistungsproblemen (bei Kindern) einhergehen. In diesen Fällen ist eine schlafmedizinische Abklärung ratsam.

Was ist der Unterschied zwischen dem Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) und Schlafapnoe?

Im Gegensatz zu anderen schlafbezogenen Atmungsstörungen wie der obstruktiven Schlafapnoe (OSA), treten beim Upper Airway Resistance Syndrome in der Regel keine vollständigen Atemaussetzer auf. Beide Erkrankungen haben jedoch ähnliche anatomische Ursachen, allem voran die charakteristischen verengten oberen Atemwege. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ist bei UARS meist niedrig, weshalb zur Diagnose häufig der RERA Index (Respiratory Effort-Related Arousals) herangezogen wird. Charakteristisch ist bei UARS nämlich, dass die Sauerstoffsättigung während des Schlafs meist stabil bleibt. Am einfachsten beschreibt man es mit „der Körper weckt einen auf, bevor es zu einer Obstruktion kommt“

Die Symptome des Upper Airway Resistance Syndroms im Vergleich zur Schlafapnoe

Viele Menschen, die an den Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) erkrankt sind, gehören nicht zu den ‘typischen’ Schlafapnoe-Erkrankten, weshalb oft und fälschlicherweise KEINE Upper Airway Resistance Diagnose getroffen wird. Fatal. Denn der Einfluss der Symptome von UARS auf die Lebensqualität ist nicht zu unterschätzen. Unbehandeltes UARS kann zu ernsthaften Problemen wie Depressionen, Bluthochdruck oder Herzproblemen führen.

UARS Betroffene zeigen oft ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Lernschwierigkeiten, innere Unruhe, eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit sowie einen ungewöhnlich unruhigen Schlaf. Gerade bei Kindern und Jugendlichen wird aufgrund dieser Symptome nicht selten eine falsche ADHS-Diagnose gestellt.

Das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) kann – wie auch die obstruktive Schlafapnoe (OSA)  – Menschen jeden Alters betreffen. Doch im Unterschied zur Schlafapnoe, an der vorrangig ältere Menschen und Männer erkranken, leiden vor allem Kinder und Jugendliche an UARS.

Die Operative Behandlung des Upper Airway Resistance Syndroms

Die Behandlung des Upper Airway Resistance Syndroms richtet sich nach den individuellen anatomischen Gegebenheiten des Patienten bzw. der Patientin. Im Regelfall raten wir zur operativen Behandlung, da sie den lebenslangen Einsatz von Hilfsmitteln obsolet macht.

Zu den empfohlenen Eingriffen zählt die ‘Bimaxillary Rotational Advancement’-Operation. Durch die Neupositionierung der Kiefer werden Zunge, Gaumen und Gaumenbögen nach vorne verlagert, wodurch sich die Atemwege dauerhaft erweitern.

Viele Patientinnen und Patienten berichten nach einer UARS-OP über einen deutlich erholsameren Schlaf und spürbare Verbesserungen im Alltag. Die ausbleibenden Weckreaktionen während der Nacht wirken sich positiv auf den gesamten Organismus aus: Tagesmüdigkeit nimmt ab, die Leistungsfähigkeit steigt und das allgemeine Wohlbefinden verbessert sich deutlich. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck können sich nach der Operation in zahlreichen Fällen normalisieren, teils sogar ohne weitere medikamentöse Therapie.