Schlafapnoe

Themen

Weiteres

Obstruktive Schlafapnoe: Was dahinter steckt und was wirklich hilft

Obstruktive Schlafapnoe ist eine Volkskrankheit. Sie ist der auslösende Faktor bei jedem zweiten Diabetiker für dessen Erkrankung, genauso wie der Grund für den Bluthochdruck bei jedem dritten Hochdruckpatient. Wenn man die Dunkelziffer einkalkuliert, könnte jeder fünfte Schweizer von der Grunderkrankung Schlafapnoe betroffen sein.

Doch wie äussert sich Schlafapnoe? Durch laute Schnarchgeräusche in Verbindung mit Atemaussetzern. Das unterscheidet die Erkrankung von gewöhnlichem Schnarchen und macht sie auch so bedenklich. Denn die Atemaussetzer dauern oft über zehn Sekunden und passieren mehrfach die Stunde. Dann ist Schnarchen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Vielmehr haben es Betroffene mit einer ernstzunehmenden Erkrankung zu tun.

Mehr über die obstruktive Schlafapnoe, ihre Diagnostik und mögliche Abhilfe erfahren Sie auf dieser Seite.

Schlafapnoe ist mehr als Schnarchen

„Schlafapnoe ist weit mehr als nur störendes Schnarchen. Die wiederholten nächtlichen Atemaussetzer belasten den gesamten Organismus und erhöhen das Risiko für ernsthafte Folgeerkrankungen. Entscheidend ist, die Ursache frühzeitig abzuklären und eine Therapie zu wählen, die nicht nur Symptome lindert, sondern nachhaltig wirkt.“

Dr. C. Nägeli

Was Sie über Schlafapnoe wissen sollten

Das obstruktive Schlafapnoe Syndrom ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zu teilweisen oder vollständigen Verschlüssen der oberen Atemwege kommt. Ursache ist meist eine Erschlaffung der Muskulatur im Rachenraum, wodurch Zunge und Weichgewebe nach hinten sinken und den Luftstrom blockieren. Infolge dieser Atemaussetzer sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, während der Körper mit kurzen Weckreaktionen reagiert, um die Atmung wieder zu aktivieren.

Eine Schlafapnoe äussert sich vor allem durch nächtliche Atemaussetzer, lautes und unregelmässiges Schnarchen sowie plötzliches Luftschnappen im Schlaf. Häufig kommt es zudem zu unruhigem Schlaf, insbesondere vermehrter Beinbewegungen, starkem nächtlichen Schwitzen und morgendlicher Mundtrockenheit. Am Tage leiden viele Betroffene unter ausgeprägter Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und verminderter Leistungsfähigkeit.

Ursachen für eine obstruktive Schlafapnoe sind verschiedene Faktoren. Dazu zählen Übergewicht sowie die Rückenlage im Schlaf. Aber auch Alkohol oder beruhigende Medikamente vor dem Zubettgehen erhöhen das Risiko für die nächtlichen Atemaussetzer. Besonders häufig sind ausserdem Raucher und Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren betroffen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelspannung im Rachenbereich natürlicherweise ab, was die Entstehung der OSA begünstigen kann.

Auslösend spielen vor allem anatomische Besonderheiten eine Rolle. Eine verengte Nasenpassage, eine schiefe Nasenscheidewand, vergrösserte Mandeln, Wachstumsstörung der Kiefer wie zum Beispiel ein zurückliegender Unterkiefer oder eine verhältnismässig grosse Zunge können den Luftstrom behindern. In manchen Fällen besteht ausserdem eine genetische Veranlagung.

Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben bis hin zum Tod. Die wiederholten nächtlichen Sauerstoffabfälle und Weckreaktionen belasten Herz und Kreislauf dauerhaft. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 sowie psychische Beschwerden wie Depressionen können begünstigt werden.

Die Behandlung einer Schlafapnoe richtet sich nach dem Schweregrad und den individuellen anatomischen Voraussetzungen. Häufig kommt zunächst eine Continuous Positive Airway Pressure (CPAP)-Therapie zum Einsatz, bei der eine Atemmaske die Atemwege nachts offen hält und so die Atemaussetzer verhindert.

Bei leichteren Formen können spezielle Zahnschienen helfen, die den Unterkiefer nach vorne verlagern. Allerdings sind Patientinnen und Patienten, die auf diese Methoden setzen, ein Leben lang auf Hilfsmittel (Zahnschiene, Atemmaske) angewiesen.

Die einzig wirklich nachhaltige Methode, ohne Hilfsmittel gegen die Obstruktive Schlafapnoe anzugehen, ist die operative Therapie. Hierbei soll die Ursache der Atemwegsverengung dauerhaft beseitigt werden.

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ist ein Messwert aus der Schlafmedizin und gibt an, wie viele Atemaussetzer (Apnoen) und Atemverminderungen (Hypopnoen) pro Stunde Schlaf auftreten. Er dient dazu, den Schweregrad einer Schlafapnoe einzuschätzen: Werte unter 5 gelten als normal, 5–14 als leicht, 15–29 als mittelgradig und ab 30 als schwer.

Die Folgen einer Schlafapnoe

Sollten Sie den Verdacht haben, an einer Schlafapnoe zu leiden, sollten Sie schnellstmöglich eine medizinische Abklärung in Erwägung ziehen. Denn auch wenn Sie keinen Menschen an Ihrer Seite haben, den das nächtliche Schnarchen belastet, so sind die gesundheitlichen Folgen dieser Erkrankung kaum zu unterschätzen.

Betroffene können chronische Erkrankungen entwickeln. Dazu gehören etwa Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie Diabetes Typ 2 – allesamt typische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sogar Depressionen oder Libidoverlust können die Folgen einer Schlafapnoe sein.

So zeigt sich Schlafapnoe in der Nacht und am Tag

In der Nacht macht sich eine Schlafapnoe durch folgende Symptome bemerkbar: 

  • lautes, unregelmässiges Schnarchen
  • mehrfache Atemaussetzer im Schlaf
  • plötzliches Luftschnappen
  • unruhiger, leichter Schlaf & häufiges Aufwachen
  • nächtliches, starkes Schwitzen
  • Mundtrockenheit beim Aufwachen
  • Erhöhte Beinbewegungen

Doch auch am Tage macht sich eine Schlafapnoe bemerkbar. Etwa durch:

  • ausgeprägte Tagesmüdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen am Morgen
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • Einschlafen bei ruhigen Tätigkeiten
  • verminderte Leistungsfähigkeit

So geht der Schlafapnoe Selbsttest

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Schlafapnoe zu leiden, können Sie mit einem einfachen Selbsttest erste Hinweise sammeln. Dieser ersetzt zwar keine ärztliche Diagnose, kann jedoch helfen einzuschätzen, ob eine medizinische Abklärung sinnvoll ist.

  • Achten Sie darauf, ob Sie regelmässig laut schnarchen, nachts häufiger abrupt aufwachen oder morgens trotz ausreichender Schlafdauer nicht erholt sind.
  • Auch wiederkehrende Kopfschmerzen nach dem Aufstehen, starke Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsprobleme können Warnzeichen sein.
  • Wenn Sie mit einer Partnerin oder einem Partner zusammen schlafen, lohnt es sich ausserdem nachzufragen, ob Atemaussetzer, unregelmässige Atmung oder plötzliches Luftschnappen beobachtet wurden.

Wichtig: Der Selbsttest kann Hinweise liefern, aber Gewissheit bekommen Sie nur durch eine medizinische Abklärung, die bei Verdacht auf eine Schlafapnoe dringend angeraten ist.

Schlafapnoe heilen mit einer Operation

Eine Schlafapnoe kann belastend, einschränkend und sogar lebensbedrohlich sein. Doch es gibt eine Heilungsmethode: die Kiefervorverlagerung, das sog. Bimaxillary rotational Advancement. Diese Art der operativen Kiefervorverlagerung ist derzeit die einzige Therapieform, die darauf abzielt, die anatomische Ursache der obstruktiven Schlafapnoe nachhaltig zu beseitigen.

Bei dieser Operation werden Ober- und Unterkiefer neu positioniert. Durch die Vorverlagerung von Kiefer, Zunge und Gaumen wird der Rachenraum dauerhaft erweitert. Die Atemwege bleiben offen, nächtliche Atemaussetzer können verschwinden und in vielen Fällen auch das Schnarchen.

Der Weg zur Behandlung beginnt in der Regel mit einer ausführlichen fachärztlichen Beratung und Diagnostik. Es folgen detaillierte Untersuchungen, die Planung des Eingriffs sowie die anschliessende Genesungsphase.